Exkursion

 

Termin/Uhrzeit

 

Exkursionsziel

 

Min./max. Teilnehmerzahl

Leitung

G 6

30.09.2011

Stadt Schwarzenberg/

Bergbaugebiet „Graul“ und Grube „Gottes Geschick“

16

 

Thomas Liebisch

Thema

Die Stadt Schwarzenberg / Der Bergbau am „Graul“ / Die Grube „Gottes Geschick“

Kurzbeschreibung

Schwarzenberg - allgemeine geschichtliche Angaben

Ausschlaggebend für die Gründung der Stadt Schwarzenberg ist die Existenz einer, durch das Tal des Schwarzwassers führenden Handelsstraße zwischen Zwickau und Prag, welche im Rahmen der Erstbesiedlung des Erzgebirges um 1150 überregionale Bedeutung erlangte. Auf einem strategisch günstigen Felssporn entstand eine Burg zum Schutz dieser Straße. Eine zugehörige Siedlung wird um 1282 erstmalig urkundlich erwähnt. Die Stadt wurde bald Mittelpunkt der Herrschaft Schwarzenberg, welche sich von der Zwickauer Mulde bis zum Kamm des Erzgebirges (im heutigen Tschechien) sowie bis Schnarrtanne im Sächsischen Vogtland erstreckte.

 

Wie überall bei der Erschließung des Erzgebirges führten auch im Gebiet der Herrschaft Schwarzenberg entsprechende Prospektionsarbeiten sehr schnell zur Auffindung von Erzlagerstätten. Ein Bergamt ist seit 1581 nachgewiesen, bestand wahrscheinlich aber schon früher. Im Gegensatz zu den meisten anderen Revieren des Erzgebirges wurde man im Gebiet der Herrschaft Schwarzenberg jedoch in erster Linie auf Eisen und (im Westteil der Herrschaft) auf Zinnerze fündig. Diese Lagerstätten bildeten bis in das 19. Jahrhundert die Basis einer ehemals sehr ausgeprägten Eisen verarbeitenden Industrie. Noch heute existieren im Raum Schwarzenberg eine Vielzahl größerer und kleinerer Unternehmen der Metall- und Blechverarbeitung. Im Schloss Schwarzenberg kann man zu dieser Thematik eine sehr informative  Ausstellung besichtigen.

 

Lagerstättensituation im Exkursionsgebiet

 

Der Bergbau im Raum Schwarzenberg ging nicht wie fast überall im Erzgebirge auf Gängen oder Erzstöcken um, sondern auf Lagern. Ursprung dieser Lager sind alte Sedimentgesteine mit Kalk- und Dolomiteinlagerungen. Im Rahmen der Erzgebirgsauffaltung wurde das Gesteinespaket einer starken Metamorphose ausgesetzt und aus den Karbonatgesteinen wurden Marmore. Mit dem Aufstieg der westerzgebirgischen Granitplutone kam es nochmals zu einer intensiven Verformung des Deckgebirges wobei sich Klüfte und Spalten bildeten. Bei der Abkühlung der Plutone kam es zu einem Volumenverlust im Untergrund und die vorhandenen mineralreichen, heißen Lösungen konnten in die darüber liegenden Gesteinspakete eindringen. Auf Grund der chemischen Eigenschaften der Karbonate kam es dabei insbesondere in den Marmorlagern zu intensiven Reaktionen, wobei die  Karbonatgesteine ganz oder teilweise umgewandelt und durch diverse Erz- und Nichterzminerale ersetzt wurden. Dieser Lagerstättentyp wird als Skarn bezeichnet. Die relativ kleinen Lagerstätten liegen in zwei (räumlich getrennten) ringförmigen Strukturen um eine Granitaufstülpung, deren Kern etwa im Stadtgebiet Schwarzenberg liegt. Über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten bildeten diese Lagerstätten Ansatzpunkte für kleinere Grubenbetriebe und damit die wirtschaftliche Basis des hiesigen Bergbaus und der Metallverarbeitung.

 

Kurzabriss der Bergbauaktivitäten im Exkursionsgebiet

 

Neben den Skarnlagerstätten kam es vereinzelt auch zur Ausbildung lokaler Erzgangsysteme, welche insbesondere östlich von Schwarzenberg im Gebiet eines „Graul“ genannten Bergrückens zeitweise eine recht bedeutende Silber- und Kobaltproduktion ermöglichten. Zentrum dieser Bergbauaktivitäten war die Grube „Gottes Geschick“, welche sich um 1835 mit der Nachbargrube „St. Katharina“ zur Grube „Gottes Geschick vereinigt Feld“ zusammenschloss und auf Grund der aufgeschlossenen Lagerstättentypen auch ein reiches Produktspektrum aufzuweisen hatte. Neben Silber und Kobalt wurden hier auch Wismut-, Kupfer-, Blei-, Zink-, Mangan-, Arsen-, Schwefel-, und Eisenerze gefördert.

 

Die erste Erwähnung der Gruben am Graul stammt aus dem Jahre 1483. Die Grube „Gottes Geschick“ wird erstmalig im Jahre 1687 als Eigenlehner-Silbergrube genannt und um 1770 auf Grund der ausdauernden Silberproduktion vergesellschaftet. Da der bestehende  Schacht für eine Teufenentwicklung wenig geeignet war und der Grubenbetrieb zudem massiv mit Grundwasser- und Wetterproblemen zu kämpfen hatte, begann  man im Jahre 1815 mit dem Abteufen eines neuen Schachtes. Eine leistungsfähige Pochwäsche nahm im Jahr 1805 im Tal des Schwarzbaches den Betrieb auf. Das heute noch erhaltene, repräsentative Huthaus mit Bergschmiede wurde 1830 fertig gestellt.

Am 13. November 1834 wurde der seit 1701 vom Schwarzwassertal getriebene „Treue-Freundschaft-Stolln“ als Erbstollen mit der Grube „Gottes Geschick“ durchschlägig. Bei einer Länge von ca. 2,5 km bringt der Stollen am „Neuen Kunstschacht“ eine Teufe von rund 50m ein. In den folgenden Jahren wurden auch die Nachbargruben „Stamm Asser“ und „St. Katharina“ durch diesen Stollen gelöst. Der Stollen ist die technologische Grundlage für den weiteren Aufschluss der Tiefbaue, 1847 wurde unmittelbar über der Stollensohle am „Neuen Kunstschacht“ ein leistungsfähiges Kunstgezeug mit einem 13,6 m hohen Wasserrad in Betrieb genommen.

Trotz beschleunigter Anlage weiterer Tiefbausohlen unterhalb des „Treue-Freundschaft-Stollenniveaus“ (insgesamt 10 Sohlen bei einer Teufe von 217 m am „Neuen Kunstschacht“) entwickeln sich ab etwa 1845 die Anbrüche edler Silber- und Kobalterze aber rückläufig. In dieser Zeit mutet die Grube viele still liegende Bergwerke der Umgebung zur Durchführung von Untersuchungsarbeiten und immer in der Hoffnung, wieder einen auskömmlichen Grubenbetrieb entwickeln zu können, z. B. „Gründonnerstag“ und „Gelbe Birke“ in Beierfeld, „Carl Haidinger“ in Wildenau sowie „Engelsburg“ in Raschau.

 

Die Gewinnung von Schwefel- und Arsenkiesen sowie von Mangan- Eisen- und Wismuterzen insbesondere im Grubenfeld „St. Katharina“ stand nunmehr im Mittelpunkt der bergbaulichen Aktivitäten. In diesem Rahmen wurden auch Tagebaue angelegt und der „Katharinaer“ Kunstschacht mit einer Dampfförderanlage ausgerüstet. Mit dem Ende des ersten Weltkrieges ging der Abbau um 1919 zu Ende.

 

Seit 1893 wurde am Mundloch des „Treue-Freundschaft-Stolln“ der im Grubenwasser enthaltene Eisenocker in Schlammteichen gewonnen und war ein gefragtes Farbpigment. Dieser Betrieb endete 1933.

 

Zwischen 1947 und 1955 wurden „Gottes Geschick“ und „St. Katharina“ durch die SAG Wismut für die Uranerzsuche aufgewältigt  Die in diesem Rahmen gefundenen Erzmengen lagen aber nur im kg-Bereich.

 

Seit 2005 werden Teile der zugänglichen Anlagen auf den oberen Sohlen durch den Verein „Gottes Geschick Vereinigt Feld“ e.V. wieder aufgewältigt.

Routenbeschreibung / Einzelheiten

Fahrt per PKW über die B101 (Schlettau, Scheibenberg, Markersbach, Raschau) nach Schwarzenberg. Bitte Fahrgemeinschaften bilden.

1.Treffpunkt Hammerparkplatz in Schwarzenberg – unterhalb  des Schlosses

Rundgang durch die sehenswerte Schwarzenberger Altstadt mit Schoss, St. Georgen Kirche und ehem. Bergamt.

 

2. Treffpunkt: Straße „Am Schlosswald“

(Parkplatz nach dem ehem. Sägewerk)

Besichtigung des Mundlochs vom „Treue-Freundschaft-Stolln“, sowie der Relikte der ehem. Farbschlämme (Goldockergewinnung) und der

“Hempel-Villa“ welche auf dem Untergeschoß eines ehemaligen Kalk-Ringofens des Kalkwerkes Wildenau erbaut wurde.

 

3. Treffpunkt: Straße von Raschau nach Langenberg (Abzweig zum ehem. Kalkwerk Langenberg)

Besichtigung von 2 erhaltenen Kalköfen des ehemaligen Kalkwerkes Langenberg.

 

4. Treffpunkt: Haldenplateau am „Neuen Gottes Geschicker Kunstschacht“

Von hier aus findet eine Wanderung zu den Bergbaurelikten der Gruben „Gottes Geschick“, „St. Katharina“ und „Stamm Asser“. In diesem Rahmen kann die Aufschlagrösche zum alten Kunstschacht befahren werden.

 

Pause am „Neuen Gottes Geschicker Schacht“, eine Unterstellmöglichkeit, Getränke und Imbiss stehen auf der Halde zur Verfügung.

 

Befahrung der Grube „Gottes Geschick“ in zwei Gruppen, die im Wechsel beide Routen besichtigen:

 

4.1 Einfahrt über die Förderstrecke (sogen. „Obererer Gottes Geschicker Stollen“) und Abbaue zum „Alten Kunstschacht“ mit geschlägelter Radstube, Kunstwelle mit Krummzapfen und Gestängeschuhen, Schützbühne und Aufschlagrösche sowie schönen Mauerungen im Füllortbereich. Des Weiteren sind in einer Untersuchungsstrecke geschlägelte Nischen in hervorragender Handwerksarbeit zu besichtigen.

 

4.2 Einfahrt über die Aufschlagrösche und die obere Radstube zum „Neuen Kunstschacht“.
Dort Abstieg über Fahrten bis zum Niveau des „Treue-Freundschaft-Stollns“ und zur unteren Radstube mit erhaltenen, eisernen Kunstwinkeln. Im Schacht sind aufwändige Schachtmauerungen zu sehen.

 

Auf dem Rückweg können im Bereich der „Gottes Geschicker -Stollnsohle“ Relikte aus der Ära des Wismutbergbaus besichtigt werden (Rollöcher).

Anforderung/

Ausrüstung

 

Für die, im Rahmen der Wanderung, zu befahrende Rösche sind feste Wanderschuhe, Helm und Geleucht ausreichend.

 

Die Befahrungsrouten 4.1 und 4.2 erfordern zusätzlich Gummistiefel, Grubenkleidung und Handschuhe. Es handelt sich um mittelschwere Befahrungen, darum wird Trittsicherheit und Schwindelfreiheit vorausgesetzt. Es sind 2 x 10m und 2 x 50m Fahrten zu steigen!

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